Wenn der Weltenbaum aus Pixeln wächst

  • Ein Diagramm von Yggdrasil, dem Weltenbaum in der nordischen Mythologie, zeigt Reiche wie Asgard, Midgard und Hel, mit einem deutschen Text, der seine Bedeutung erklärt.

Hamburg zeigt sich heute von seiner weißen Seite. Dichter Schneefall hat die Stadt fest im Griff und die Flocken tanzen wirbelnd durch die Straßenschluchten. Es ist ein Tag, an dem man eigentlich am liebsten am Kamin sitzen würde, doch wir haben uns auf den Weg gemacht. Da die Straßenverhältnisse alles andere als sicher waren, haben Frank und ich uns direkt für die öffentlichen Verkehrsmittel entschieden. In der U- und S-Bahn zu sitzen, während draußen die Welt langsam unter einer weißen Decke verschwindet, hat etwas Entschleunigendes.

Es passte seltsamerweise zu unserem Ziel, denn wir wollten in eine Zeit eintauchen, in der die Elemente noch als Zeichen der Götter gedeutet wurden. Unser Weg führte uns zur Ausstellung „Vikings Immersive“ in Altona-Nord.

Der Kontrast: Industrieller Charme trifft auf nordische Mythologie

Wenn man an der Haltestelle aussteigt und durch den Schnee auf die mächtigen Industriehallen in Altona-Nord zuläuft, denkt man erst einmal an Logistik und Gewerbe und weniger an Langschiffe und Methallen. Grauer Beton und die kühle, funktionale Architektur bestimmen das Bild, doch kaum tritt man durch die schweren Türen der Halle 7 in der Waidmannstraße 26, verändert sich die Atmosphäre schlagartig. Es ist dieser Moment, den ich auf meinen Reisen so liebe, wenn das metallische Quietschen der S-Bahn und das dumpfe Rauschen der Stadt draußen bleiben und Platz machen für etwas Tieferes und Urälteres.

Die Halle 7 ist ein gewaltiger Ort. Ihre Dimensionen sind wie gemacht für die Legenden der Nordmänner. Man spürt sofort, dass dies kein gewöhnliches Museum ist. Es ist ein Raum, der einen förmlich verschlucken möchte. Und genau das brauchen wir im Norden, nämlich Orte, die Geschichten nicht nur erzählen, sondern atmen lassen.

Technik vs. Mythos: Die KI-Königin und die Magie der Runen

Ich bin oft skeptisch, wenn moderne Technik auf alte Geschichte trifft. Kann man das Erbe unserer Vorfahren wirklich mit VR-Brillen und künstlicher Intelligenz einfangen? Verliert ein Mythos nicht seine Seele, wenn er durch einen Computer berechnet wird?

Mein erster Halt war bei Königin Kráka. Sie ist kein starres Modell, sondern ein KI-Avatar, dem man tatsächlich Fragen stellen kann. Es ist ein faszinierendes und fast schon unheimliches Erlebnis. Da steht eine Gestalt aus den Sagas vor dir, erschaffen aus Code, und doch besitzt sie eine seltsame Präsenz. Was mir besonders auffiel, war die Darstellung der digitalen Inhalte, die stellenweise bewusst grob gehalten ist. Es wirkt fast so, als wollte man uns daran erinnern, dass diese Welt aus einer Zeit stammt, in der es noch keine glatt gebügelten Hochglanz-Pixel gab. Diese Rauheit und diese fast schon analoge digitale Optik verleihen den Bildern eine ganz eigene Ehrlichkeit und Kraft.

Ein echtes Highlight waren die Video-Sequenzen. Inmitten der digitalen Projektionen konnte man beobachten, wie Runen bei den Personen aufstiegen. Diese leuchtenden Symbole, die sich langsam aus den Gestalten heraus nach oben schraubten, hatten etwas sehr Ästhetisches und Friedvolles. Es wirkte, als würde die spirituelle Kraft der alten Schriftzeichen die moderne Technik durchdringen und segnen.

Der Moment, in dem man die VR-Brille aufsetzt, markiert den endgültigen Bruch mit der Realität von draußen. Plötzlich steht man auf einem schwankenden Langschiff, sieht die Gischt und hört das Knarren des Holzes. Die Technik dient hier als Dolmetscher für eine Zeit, die uns oft so fern scheint. Besonders beeindruckend ist der Blick auf Yggdrasil, den Weltenbaum. Die digitalen Äste wachsen bis unter das Dach der riesigen Halle und man fühlt sich wieder klein, genau wie ein Mensch vor tausend Jahren, der ehrfürchtig in den Sternenhimmel blickte.

Der Blick nach Norden: Hamburg vs. Oslo

Wer sich tiefer mit der digitalen Aufarbeitung der Wikingerzeit beschäftigt, kommt an Oslo nicht vorbei. Dort gibt es mit The Viking Planet eine Dauerausstellung, die einen ähnlichen Ansatz verfolgt. Doch während die Ausstellung in Oslo eher den Charakter eines hochmodernen und urbanen Digitalmuseums hat, fühlt sich das Erlebnis in der Hamburger Halle 7 roher und immersiver an. Die Schau in Oslo ist sehr clean und fokussiert auf die Vermittlung von historischem Wissen in einem festen Rahmen.

Hier in Hamburg, in dieser alten Industriehalle, passt die Kombination aus der groben digitalen Ästhetik und der wuchtigen Umgebung einfach besser zu dem Gefühl, das ich mit den Wikingern verbinde. Es ist weniger ein Museum und mehr ein Erlebnisraum. Wer die Chance hat, sollte beides sehen, um zu verstehen, wie unterschiedlich man unsere Geschichte heute digital interpretieren kann.

Der technische Ruf der Ahnen

Manch einer mag sagen, dass das alles nur eine große Show sei. Aber ich habe es anders empfunden. Während ich dort stand, umgeben von 360-Grad-Projektionen, die Schlachtfelder und die Hallen von Walhall lebendig werden ließen, spürte ich ihn deutlich, nämlich den technischen Ruf der Ahnen.

Es klingt wie ein Widerspruch, aber vielleicht ist es genau der Weg, den wir in unserer schnelllebigen Zeit gehen müssen. Wir haben den direkten Bezug zu den alten Bräuchen oft verloren, wenn wir sie nicht gerade bewusst pflegen, so wie wir es mit dem Julfest oder dem Wissen um unsere germanischen Wurzeln tun. Die Technik bei Vikings Immersive wirkt wie ein Verstärker. Sie nimmt die alten Geschichten und übersetzt sie in eine Sprache, die heute jeder versteht.

Es ist nicht der Ruf aus dem tiefen Wald, sondern ein Ruf, der durch Lichtstrahlen und Soundwellen zu uns dringt. Aber die Botschaft bleibt identisch, sich an seine Wurzeln zu erinnern. Verstehe die Kraft der Gemeinschaft und die tiefe Demut vor der Natur.

Fazit: Eine Reise wert

Für mich war dieser Ausflug durch das verschneite Hamburg mehr als nur ein Zeitvertreib. Es war eine Bestätigung. Wir im Norden tragen diese DNA in uns, egal wie modern die Welt um uns herum wird. Ob wir nun durch die stille Natur wandern oder in einer Industriehalle vor einem digitalen Weltenbaum stehen, die Verbindung bleibt bestehen.

Vikings Immersive schafft den Spagat zwischen moderner Unterhaltung und echtem kulturellem Erbe. Wer ein staubiges Archiv sucht, ist hier falsch. Wer aber bereit ist, sich auf die visuelle Kraft und die raue Interpretation der Sagas einzulassen, der wird mit einem tiefen Eindruck belohnt.

Als Frank und ich wieder nach draußen traten und der Schnee uns erneut ins Gesicht peitschte, fühlte sich die Kälte anders an, irgendwie vertraut. Wir sind ganz entspannt mit der S-Bahn zurückgefahren, haben die Wärme des Abteils genossen und in Gedanken noch lange die Runen aufsteigen sehen. Manchmal braucht es eben ein bisschen Hochtechnologie, um sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen.

Wissenswertes für deinen Besuch

Anbieter & Tickets: Die Ausstellung wird von Exhibition Hub in Zusammenarbeit mit Fever präsentiert. Tickets und aktuelle Infos findest du direkt auf der offiziellen Webseite.

Die Ausstellung ist noch bis Ende Januar 2026 in Hamburg. 👉 Vikings Immersive Hamburg

Standort: Halle 7 Waidmannstraße 26 22769 Hamburg

Anreise-Tipp Die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist hier die beste Wahl. Die S-Bahn-Linien S2, S3 und S5 bringen dich direkt zur Haltestelle „Diebsteich“. Von dort sind es nur wenige Gehminuten durch das Gewerbegebiet zur Halle. Alternativ halten die Buslinien 180 (Diebsteich) sowie 30, 115 und 183 (Langenfelder Straße) ganz in der Nähe.

Vergleich Oslo Wer mal in Norwegen ist, sollte sich das Pendant anschauen: The Viking Planet Oslo. Eine tolle Ergänzung, um zu sehen, wie die Digitalisierung der Geschichte im hohen Norden vorangetrieben wird.

Bleibt neugierig, bleibt nordisch.

Euer Knut

Kári – dein Nordlicht Guide von NordJourney

Ein lächelnder Mann in einem dunklen Mantel steht bei Nacht im Freien, mit Nordlicht am Himmel und bewaldeten Bergen im Hintergrund. Der Text auf Deutsch lautet: "Fern vom Lärm, nah am Leben.

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