An einem sonnigen Tag überquert ein Motorradfahrer eine geschwungene, rostorangefarbene Brücke über einen Fluss.

Sonntagsfahrt nach Rothenhusen


Sonntagmorgen. Die Sonne knallt aufs Visier, noch bevor die Motoren warm sind. Wir drei stehen auf dem Parkdeck, es wird noch geschnackt und die neuen anbauten am Bike besprochen. Fred ist da, die Maschinen sind da, der Rest ergibt sich.

So starten die besten Touren.


Sonne, Herbst, volle Straßen

Es ist der erste richtig schöne Sonntag nach Tagen mit grauem Himmel. Man merkt es sofort: Wir sind nicht die Einzigen, die raus wollen. Überall Biker. Auf den Parkplätzen, an den Kreuzungen, aus den Seitengassen. Manche winken, manche nicken, manche reißen beide Hände hoch, als hätten sie ein Jahr auf diesen Tag gewartet.

Wir winken zurück. Man kennt sich nicht, und genau das macht’s. Keiner fragt, was du fährst oder was du verdienst. Es reicht, dass du draußen bist.

Die Landstraße zieht an uns vorbei. Felder, die das Gold schon fast übernommen hat. Baumreihen, in denen das Grün gegen Gelb und Orange verliert. Die Sonne steht tief genug, um durch die Äste zu funken und Flecken auf den Asphalt zu werfen. Frank fährt vorneweg, gemütlich. Niemand hetzt. Niemand muss irgendwas beweisen.


Das Trio

Wir sind drei. Kein Roadbook, keine Zeiten, kein Streckenchef. Einer fährt vorne, weil er die Gegend kennt. Die beiden anderen folgen. Mal überholt jemand, mal wird überholt. Es gibt kein Problem, das gelöst werden müsste.

Warum schreiben wir das auf? Weil sich manche Fahrt falsch anfühlt, wenn ständig das nächste Etappenziel vor Augen steht. Und weil drei Leute, die einfach nur cruisen, sich manchmal besser verstehen als groß geplante Gruppenfahrten. Kein Druck heißt: Du kannst die Landschaft wirklich sehen.

Und die Landschaft kann sich sehen lassen. Felder in Gold, Wälder am Horizont, und zwischendrin diese schnurgeraden Straßen, auf denen die Sonne direkt auf dem Asphalt brennt. Der Wind riecht nach Ernte. Mehr braucht ein Sonntag nicht.


Kaffee am Ratzeburger See

In Rothenhusen steigen wir ab. Genau richtig, denn hier liegt unser Ziel direkt am Wasser: das Fährhaus Rothenhusen, direkt am Ratzeburger See. Café und Restaurant, und für den kleinen Hunger zwischendurch gibt’s auch ein Bistro. Wer also nur einen Cappuccino und ein Stück Kuchen will, ist genauso richtig wie der, der nach der Fahrt richtig essen möchte. Wir gehören heute zur ersten Gruppe für einen Kaffee und eine Belgische Waffel und gucken, wer als Nächstes anrollt.

Und die Vorstellung ist genial: Man sitzt am See, die Sonne spiegelt sich im Wasser, und vor der Tür parken die Maschinen in einer Reihe. Weitere Biker kommen an, als wäre die Welt für einen Tag einfacher. Draußen sitzen im Herbst. Kaffee kalt werden lassen, weil man quatscht. Irgendwann packen wir zusammen, weil die Sonne sinkt, nicht weil es Zeit ist. Der Unterschied ist wichtig.


Umleitung – das soll mal vorkommen

Dann, auf dem Rückweg: Umleitungsschild. Sperre. Wir starren uns an. Das Navi will uns zehn Kilometer zurück auf die Hauptstraße schicken.

Wir entscheiden uns anders.

Der Ausweichweg führt durch ein Waldstück. Erst noch ordentlich asphaltiert, dann wird’s rauer. Laub auf dem Boden, hier und da weiche Kanten, Lichtflecken zwischen den Stämmen. Kein Enduro-Gelände, aber auch kein normaler Sonntagsrasen. Ein bisschen Offroad-Feeling gefällig?

Und jetzt die Pointe des Tages: die Harley. Sie rollt da durch wie auf einer Allee im Vorort. Kein Gejammer, keine Bedenken, nichts. Einfach satt vorwärts, das Vorderrad folgt der Linie, und dahinter ein Grinsen unterm Helm, das man kilometerweit sieht.

Zwischen den Bäumen riecht es nach feuchter Erde und Herbst. Die Motoren klingen anders als auf freier Straße, gedämpft von den Stämmen. Fast schade, als der Wald wieder aufmacht und die Straße glatt wird. Fast.


GPX-Route zum Nachfahren

Ihr wollt selbst die Tour fahren? Hier ist unsere Route als GPX-Datei zum Herunterladen inklusive der Waldumleitung.

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Distance
131,19 km
Elevation gain
+395 m
Elevation loss
−411 m
Max elevation
72 m
Waypoints
1
Elevation profile

Warum wir das machen

Das ist für uns Motorradfahren. Nicht die schnellste Linie, nicht das neueste Bike des Jahres, nicht Likes und Filter. Drei Freunde, den Sonne eines Herbstsonntags nutzen, einen Umweg durch den Wald nicht als Störung sehen, sondern als Geschenk und am Ende Kaffee am See trinken, obwohl keiner geplant hatte, ausgerechnet da zu landen.

Wer auf so einer Fahrt keinen Kopf frei bekommt, braucht vielleicht ein anderes Hobby.


Unser Video zur Tour

Wir haben die Fahrt gefilmt – die Sonnenmomente, die Umleitung durchs Waldstück, das Trio am Ratzeburger See. Schau rein.

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Music by Alana Jordan from Pixabay
Live Bait
Empty House
Scared Crows

📌 Praktischer Teil

Essen & Trinken – Fährhaus Rothenhusen: Café, Restaurant und Bistro direkt am Ratzeburger See. Gut essen, gut sitzen, Biker willkommen. 👉 faehrhausrothenhusen.de

Hinweise zum Nachfahren:

  • Charakter: Landstraßen, kurvig, wenig Verkehr, Waldstück mit festem Untergrund
  • Beste Jahreszeit: Frühjahr bis Herbst, der Herbst hat’s optisch
  • Einpacken: Sonnencreme, gute Laune, keine Uhr

Und ihr? Wann habt ihr zuletzt eine Tour ohne Ziel gefahren – und wo habt ihr am Ende Kaffee getrunken? Schreibt’s in die Kommentare.



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