Man stellt sich vor wie hier einst das Licht durch die Fenster fiel wie die Menschen hereinströmten und ihre Gebete in die Gewölbe warfen während draußen das Leben der ältesten Stadt Schwedens vorbeizog. Heute ist der Himmel das Dach. Die Mauern stehen noch roter Backstein fest und alt aber oben rauscht nur der Wind durch.
Die Stille hier ist fast greifbar wenn man mittendurch läuft und der Schatten der Wände kühler ist als der Sommerhof außen. Respekt. Ehrfurcht. Und der Geruch von warmem Gras und altem Stein.
Unser Halt war nicht geplant. Wir kamen von Schloss Skokloster herüberrollend auf glattem Asphalt der Motor warm das Herz noch voll von den prunkvollen Sälen und Waffenkammern. Ein paar Kilometer Richtung Sigtuna und dann stand sie einfach da. Eine Kirchenehre die nicht mehr will. Ein herrlicher schwedischer Sommertag blauer Himmel keine Wolke und dieses alte Mauerwerk mitten im Grün das im Licht stand als wäre es darauf gewartet worden.
Die Mauern von Sigtuna
Die St.-Olof-Kirche stammt aus dem zwölften Jahrhundert erbaut aus Backstein wie es hier im Mälartal üblich war. Sie wurde mehrfach umgebaut und erweitert ein Kirchturm im Westen ein Chor im Osten die Spuren davon sieht man den Mauern noch an. Nach der Reformation verlor die Kirche ihre Gemeinde sie verfiel wurde als Steinbruch genutzt und irgendwann blieb stehen was heute steht. Ein Skelett aus Backstein das den Sommer überdauert und den Winter übersteht seit Jahrhunderten.
Sigtuna selbst wurde um 970 gegründet die älteste Stadt Schwedens gegründet von König Erik Segersäll am Ufer des Mälaren. Handelsstadt Münzstadt Königssitz. Hier stehen die Runensteine am Straßenrand als wäre das normal. Und mitten in dieser Stadt liegen mehrere Kirchenruinen nebeneinander St.-Peter St-Pers St-Lars St-Nikolaus. Die St.-Olof ist die größte von ihnen.
Ein Spazier zwischen Backstein und Himmel
Wir liefen um die Mauern herum einmal ganz außen herum wo das Gras hochstand und die Sonne brannte auf die Schultern. Die Fensteröffnungen sind heute nur noch dunkle Ecken durch die man den Himmel sieht. Man läuft hindurch und blickt auf und da ist nur Blau. Kein Gewölbe kein Glas kein Bild nur der Sommer der hier sein Haus aufgeschlagen hat.
Die Grabsteine im Gras rundherum die einst lesbar lagen sind tief im Moos versunken. Einige kippen zur Seite. Wir lasen ein paar alte Daten abrieben Moos von den Buchstaben und fragten uns wer diese Menschen waren wie sie lebten und was sie von ihrer Stadt hielten. Überall um uns herum standen die Lehrsteine und Runensteine von Sigtuna direkt vor der Ruine und erzählten von Männern die hier vor tausend Jahren steinern wurden damit wir heute noch wissen dass sie gelebt haben.
Es war als hätte die Zeit für einen Moment aufgehört zu existieren. Kein Handy kein Lärm keine Hektik nur das Hier und Jetzt und das Gefühl dass diese Steine uns etwas sagen wollen wenn man nur lange genug zuhört.
Halt anhalten und nur da sein
Für uns war das hier der perfekte Kontrapunkt zum Schloss. Skokloster ist prächtig glänzend vollgestopft mit Reichtum und Sammelleidenschaft und barocker Pracht. St.-Olof ist das Gegenteil. Nacktes Mauerwerk. Kein Dach. Keine Sammlung. Nur was der Zahn der Zeit übrig gelassen hat. Und genau das macht es aus. Beim Schloss fragt man sich wie die Menschen wohl gelebt haben die so viel besaßen. Bei der Ruine fragt man sich was bleibt wenn alles andere weg ist.
Wir saßen auf einer niedrigen Mauer schwiegen und ließen die Sonne auf die Arme scheinen. Der Mälaren glitzerte in der Ferne. Ein paar Krähen hatten die Ruine für sich beansprucht und stritten sich um Sitzplätze auf den Fensterbänken die längst keine mehr sind.
Fazit: Ein kurzer Halt der bleibt
Ein Stopp von einer knappen Stunde irgendwo auf dem Weg zwischen Skokloster und weiterem Abend. Keine Tickets keine Warteschlange kein Programm. Nur alte Steine ein blauer Himmel und die Gewissheit dass man manchmal die schönsten Orte nicht plant sondern einfach antrifft. Wenn ihr in der Gegend seid zwischen Schloss Skokloster Sigtuna und dem Rückweg nach Stockholm dann haltet an. Bleibt ein paar Minuten. Lest die Runensteine. Und geht durch eine Kirchenruine hindurch in der der Sommer sein Dach aufgeschlagen hat.
📌 Praktisches:
- Ort: S:t Olofs kyrkoruin Sigtuna Schweden direkt in der Altstadt am nördlichen Ende
- Anfahrt: Von Schloss Skokloster sind es etwa 20 Minuten über die 263 Richtung Sigtuna. Von Stockholm etwa 50 Minuten über die E4 oder die 275
- Eintritt: Kostenlos. Die Ruine ist frei zugänglich und jederzeit begehbar
- Kombinieren: In direkter Nähe liegen weitere Ruinen wie St-Lars St-Pers und St-Nikolaus. Die ganze Altstadt ist auf Runensteinen verteilt einfach laufen und Augen offen halten
- Tipp: Kommt morgens oder abends wenn das Licht flach steht dann bekommt der Backstein eine Farbe die man mittags nicht zu sehen bekommt
- Mehr Infos: sigtuna.se
Seid ihr schon mal einfach mitten auf einer Tour angehalten weil eine Ruine am Wegesrand stand? Oder plant ihr jede Minute?
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