
Mit Motorrad oder Auto zu den Färoern und nach Island
Wer mit dem eigenen Motorrad oder Auto zu den Färoern oder nach Island will, hat genau eine Möglichkeit: die Norröna der färöischen Reederei Smyril Line. Es gibt keine Alternative, keine andere Linie, keinen Tunnel. Wir haben die Strecke selbst gefahren und sagen vorweg: Diese eine Verbindung ist besser als ihr Ruf. Vorausgesetzt, man plant sie richtig. Und der Urlaub beginnt nicht erst am Ziel. Er beginnt, wenn die Leinen eingeholt werden.
Der einzige Weg – und der startet in Hirtshals
Los geht es in Hirtshals, ganz im Norden von Dänemark. Wer also von Deutschland losfährt, muss erst einmal quer durch Jütland. Von Hamburg aus sind das rund fünf Stunden reine Fahrzeit, von Süddeutschland entsprechend mehr. Die Anreise zum Terminal ist Teil der Reise und wer mit dem Motorrad fährt, sollte sie genießen statt überstehen.
Der Hafen von Hirtshals nutzt das Fjord-Line-Terminal am Containerkajen 4, gut 30 Gehminuten außerhalb des Ortszentrums. Wer übernachten muss, findet in Hirtshals und Umgebung Unterkünfte über Booking.com oder Airbnb.com.
Fahrtdauer: zwei Tage Nordatlantik
Die Strecke Hirtshals–Tórshavn dauert im Sommer rund 30 Stunden, im Winterfahrplan bis zu 38 bis 40 Stunden, weil die Reederei bei rauem Atlantikwetter mehr Zeit einplant. Mindestens eine Nacht an Bord ist deshalb Pflicht. Kabine oder Couchette sind keine Option, sondern Bedingung.
Wer weiter nach Island will, bleibt an Bord oder steigt in Tórshavn für einen Stopover aus. Von Tórshavn nach Seyðisfjörður im Osten Islands sind es noch einmal rund 15 Stunden. Die komplette Strecke von Dänemark bis Island dauert im Sommer etwa 47 bis 48 Stunden. Abfahrt Dienstagmittag, Ankunft am Donnerstagmorgen, mit zwei Nächten an Bord. Die Einfahrt in den Fjord von Seyðisfjörður gilt als eine der schönsten Hafenankünfte des Nordatlantiks.
Für uns beginnt der Urlaub an Bord
Zuhause heißt es noch Puls, Tempo, Termine. An Bord läuft das Ganze aus. Kein Navigationsdisplay, das jeden Kilometer abspeist. Kein Ziel, das man abhaken muss. Nur das Schiff, das Meer und jede Menge Zeit, die man sonst nirgends so einfach bekommt. Entspanntes Reisen sieht so aus: erstmal Frühstück mit Blick auf Wasser, das nicht endet.
Die Route führt draußen an den Shetland-Inseln vorbei. Wer am Fenster steht, hat ein paar Stunden lang Land im Blick und danach: nichts mehr. Nur Nordatlantik, bis zum Horizont.
Und der hat es in sich. Wir hatten ordentlichen Wellengang drei Meter und mehr. Das Schiff rollt, die Gläser wandern übers Tischchen, und nachts hält einen das ewige Auf und Ab im Schlaf fest wie eine Hand. Wer eine empfindliche Seele hat, weiß spätestens jetzt, warum er Seekranktabletten eingepackt hat. Aber ehrlich: Uns hats gefallen. So fühlt sich der Nordatlantik an. Nicht als Störung, sondern als Bestätigung, dass man wirklich unterwegs ist.
Essen, Hot Tubs, Meer und der Alltag an Bord
Wir hatten das einfache Verpflegungspaket: Frühstück am Buffet und Abendessen. Es gibt mehrere Kategorien wer mehr will, kriegt mehr. Für uns hat das gereicht. Das Essen war lecker. Nur der Kaffee am Morgen war, sagen wir mal: eher eine Erinnerung an Kaffee. Wer auf seinen Morgencup steht, packt am besten was Eigenes ein.
Das Beste an Bord sind die Hot Tubs. Warmes Wasser, Schaum ringsum, und direkt dahinter das Meer. Man sitzt bis zur Brust im Sprudel und schaut auf Wellen, die so aussehen, als kämen sie vom Rand der Welt. Dazu gibt es eine Skybar an Deck. Abends, wenn die Sonne runtergeht, ist das der Ort, an dem man sitzen will.
Und wenn man keine Lust mehr auf Schauen hat? Spielt. Nein, wirklich: Holt euch Spiele rein. Karten, Würfelspiel, was ihr zuhause habt an Bord gibt es nichts Besseres und die Zeit rennt damit schneller weg, als man denkt. Oder ihr nehmt euch einfach einen Sonnenstuhl an Deck und guckt aufs Wasser. Klingt nach nichts. Ist aber alles. Zwei Tage lang nichts tun müssen, außer schauen das kriegt man im Alltag nicht geschenkt.
Fahrplan und Saison
Im Sommer, etwa Juni bis Anfang September, legt die Norröna zweimal pro Woche in Hirtshals ab, in der Nebensaison einmal wöchentlich, meistens sonntags. Wichtig zu wissen: Der Passagierverkehr nach Island ruht im Winter vollständig, etwa von Mitte November bis Mitte März. Wer also im Februar nach Island will, muss fliegen oder warten. Die Färoer-Anbindung fährt dagegen ganzjährig.
Den aktuellen Fahrplan gibt es direkt bei Smyril Line. Da sich Abfahrtstage mit der Saison verschieben, lohnt der Blick vor jeder Buchung. Grobe Übersichten bieten auch northferries.com und faehren.net.
Kosten: Dynamisch und nicht preiswert
Smyril Line veröffentlicht keine festen Ab-Preise. Die Preise sind dynamisch und richten sich nach Reisedatum, Fahrzeugart und Kabinenkategorie. Hier eine klare Übersicht:
| Strecke | Fahrzeugtyp | Größenordnung (Hin- und Rückfahrt) |
|---|---|---|
| Hirtshals–Tórshavn (nur Färöer) | PKW + Innenkabine | ca. 1.200–1.500 Euro |
| Hirtshals–Seyðisfjörður (bis Island) | PKW + Innenkabine | ca. 1.800–2.200 Euro |
| Motorrad | Mit Kabine | ca. 200–400 Euro günstiger als PKW |
| Wohnmobil | Mit Kabine | ca. 300–600 Euro teurer als PKW |
Wichtig zu wissen:
- Bei Buchung werden 25 Prozent des Reisepreises fällig, der Rest spätestens 30 Tage vor Abreise.
- Wer die Route stückweise bucht Hirtshals–Tórshavn und Tórshavn–Seyðisfjörður einzeln statt als durchgehende Fahrt, kann laut Erfahrungsberichten je nach Kabinenart einige hundert Euro sparen.
- Hochsaison (Juli–August) ist am teuersten und schnell ausverkauft.
- Offseason-Preise können deutlich niedriger sein, aber weniger Abfahrten stehen zur Verfügung.
- Preis ohne Verpflegung, Pakete separat buchbar.
Unser Rat: früh buchen. Es gibt nur diese eine Verbindung, die Plätze für Fahrzeuge und Kabinen sind begrenzt. Alle Preise und die Buchung selbst: smyrilline.com
Dokumente und Formalitäten
Für die Färoer und Island gelten eigene Regeln. Wichtig ist vor allem: Die Färoer stehen außerhalb der EU-Zollunion deshalb wird an Bord tax-free verkauft.
- Personalausweis oder Reisepass für deutsche Staatsbürger reicht der Personalausweis, ein Reisepass schadet nie
- Führerschein und Fahrzeugschein
- Grüne Versicherungskarte für Island und die Färoer muss vor der Fahrt bei der eigenen Versicherung angefordert werden
- Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) ist für Island gültig, für die Färoer vorher klären hier gibt es Sonderregelungen
Eine aktuelle Liste der Einreisebestimmungen bietet das Auswärtige Amt. Wer Reiseinfos von der Quelle will: Visit Faroe Islands und Visit Iceland haben eigene Anreise-Seiten mit allen Details.
An Bord: Was die Norröna bietet
Die Norröna ist mit 165 Metern Länge die größte Fähre der Färoer. Sie fasst bis zu 1.500 Passagiere und rund 800 Fahrzeuge auf dem Autodeck.
Ausstattung:
- Mehrere Restaurants
- Schwimmbad
- Kleines Kino
- Fitnesscenter
- Drei Whirlpools auf dem Außendeck (beheizt mit Abwärme aus dem Maschinenraum)
Für Motorradfahrer gilt: Das Bike wird auf dem Autodeck festgezurrt. Wasserdicht verpacken lohnt sich, der Nordatlantik ist keine Badewanne.
Warum die Fähre statt des Fluges auch fürs Klima
Wer mit dem eigenen Motorrad oder Auto anreist, braucht vor Ort kein Mietauto, keinen Shuttle, keinen Stress bei der Wagenrückgabe. Das eigene Gefährt ist dabei: Ausrüstung, Werkzeug, Zelt. Rund um Seyðisfjörður geht die Reise direkt nach der Landung weiter.
Und das Klima: Der Flug nach Island ist pro Person und Kilometer einer der klimaschädlichsten Wege, ein Land zu erreichen. Die Fähre transportiert hunderte Passagiere und Fahrzeuge gleichzeitig, die Emissionen pro Kopf und Kilometer liegen deutlich unter denen eines Langstreckenflugs. Wer wirklich rechnen will, findet bei atmosfair einen CO₂-Vergleich. Und noch etwas: Langsamkeit ist auch eine Form von Nachhaltigkeit. Wer zwei Tage auf dem Wasser verbringt, reist anders und bewusster.
Praktische Informationen
Terminals
- Hirtshals: Fjord-Line-Terminal, Containerkajen 4
- Tórshavn: Eystara Bryggja, fußläufig ins Zentrum
- Seyðisfjörður: Ostfjorde, nächstgrößere Ortschaft Egilsstaðir
Fahrzeiten
| Strecke | Sommer | Winter |
|---|---|---|
| Hirtshals–Tórshavn | 30 Stunden | 38–40 Stunden |
| Tórshavn–Seyðisfjörður | ca. 15 Stunden | ca. 15 Stunden |
| Gesamt (Dänemark–Island) | 47–48 Stunden | 47–48 Stunden |
Check-in
- Hirtshals: spätestens 1 Stunde vor Abfahrt
- Seyðisfjörður: 3 Stunden vorher
Saison
- Island-Verkehr: Mitte März bis Ende November
- Färoer-Verkehr: Ganzjährig
Budgetplanung
- Hin- und Rückfahrt mit Fahrzeug und Kabine: grob 1.500 bis 2.000 Euro
- Buchungsgebühr bei Buchung: 25 % des Reisepreises
Packliste (aus eigener Erfahrung)
- Spiele einpacken
- Seekranktabletten einpacken
- Guten Kaffee einpacken
- Wetter checken über Windy
Nützliche Links
Hier eine Übersicht aller wichtigen Links für die Planung:
- Smyril Line (Buchung & Fahrplan): smyrilline.com
- Fährübersicht: northferries.com
- Fährinformationen: faehren.net
- CO₂-Vergleich: atmosfair.de
- Wettercheck: windy.com
- Einreisebestimmungen: auswaertiges-amt.de
- Visit Faroe Islands: https://visitfaroeislands.com/en
- Visit Iceland: visiticeland.is
Fazit & Ausblick
Die Norröna-Fähre ist der einzige Weg mit eigenem Motorrad oder Auto zu den Färoern und nach Island. Sie ist besser als ihr Ruf wenn man sie richtig plant. Die zwei Tage an Bord sind kein Hindernis, sondern Teil des Abenteuers. Mit Hot Tubs, Skybar und dem unendlichen Meer vor dem Fenster ist die Überfahrt eine Erfahrung für sich.
Habt ihr schon mal mit dem eigenen Bike oder Auto auf dem Nordatlantik unterwegs – oder würde euch die lange Überfahrt abschrecken? Teilt eure Erfahrungen in den Kommentaren!
